.:: Te Aroha und das Mädchen ::.

Mittwoch, Januar 24, 2007

siebzehn.

Da bin ich also siebzehn Jahre alt. Auch so ein Erlebnis. Mein Geburtstag, eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Wann fing mein eigentlicher Geburtstag an? Die ersten Glückwünsche habe ich pünktlich zum Beginn des neuseeländischen 23. erhalten, meine richtigen Geschenke habe ich aber erst am deutschen 23. ausgepackt. Da hatte ich mich irgendwie komisch.
Ich muss zugeben, ich bin ziemlich enttäuscht von mir selbst. Ich hätte irgendwas mit mir anfangen sollen heute. Stattdessen sah mein Tag nicht anders aus als jeder andere. Außer eben der Tatsache, dass mich ein Haufen lieber Menschen angerufen hat. Mit vielen Tränen hatte ich dann nach 9 Uhr abends NZ Zeit mit Carola den letzten wichtigen Menschen auf meiner inneren Lite abgehakt und mir insgeheim eine Deadline für Glückwünsche für den deutschen 23. gesetzt. Aber was will ich eigentlich? Herzliche Grüße von irgendwelchen Leuten? Die, die ich bekommen habe, reichen mir vollkommen.
Es packt mich eine Phase der Depression, nachdem ich meinen beiden Elternteilen eingestehen musste, dass ich nicht mal nen Kuchen habe. In der Tat sah mein Essensplan für heute wiefolgt aus: Frühstück um kurz vor 12, zwei Weißbrotscheiben mit Corned Beef Raspeln drin. Danach Schokolade. Dann irgendwann um 5 eine Tomate. Und eben um halb 11 noch ein Stück Schokolade. Lächerlich. Ich weiß, ich hätte für mich selber kochen können. Hätte ich alles machen können, aber stattdessen tu ich mir lieber selbst leid und fresse mich am Zucker rund. Na und? In die T-Shirts von meinen Eltern pass ich trotzdem rein, ha. Sogar in die S, soll mal einer sagen, Schokolade mache nicht glücklich. Sue hat ja die Tage frei, sie hatte mich auch gefragt, ob ich irgendwohin fahren wollen würde. Ich hatte keine Ahnung, wohin, und in angesicht ihrer finanziellen Knappheit wollte ich auch ihren Benzinverbrauch nicht allzu hoch treiben. Zur Feier des Tages sind wir dann in die Stadt gefahren, zu Woolworths. Bier kaufen. Ich hab mir zwei 1l Flaschen Saft geholt, die drei Dollar mit Visa bezahlt und dann noch einen Brief abgeschickt (an Harun übrigens.)
Immerhin hab ich bei Woolworths ein bisschen sozial interagieren können, hab ein paar Leute getroffen, die ich kannte, die aber nichts von meinem Jubiläum wussten, auch nicht weiter schlimm. Zuhause angekommen erstmal Emails abgefragt. Vier Emails. Eine davon doppelt abgeschickt. Ich renne auf dem Zahnfleisch umher, bringe Wäsche rein. Ich versuche wirklich alles, um keine Zeit für Selbstmitleid zu finden. In Gedanken immer noch bei Jennys Kalender und all den Leuten darauf, den Gesprächen mit ebenjenen, mein Papa ruft an. Ich freue mich. Ich habe noch Hoffnungen, der Tag wird noch besser, muss noch besser werden. Später ruft auch meine Mama an, ich freue mich noch mehr, führe ein gutes Mutter-Tochter-Erwachsenwerden-Gespräch, wie man sie eben mit 17 führen muss, und setze mich dann wieder hin. Und jetzt? Sue hat mit Absicht nur Bier zum Essen geholt, weil ich aufgrund eines Missverständnisses davon ausging, dass ich noch mit Nick wegfahren würde. Als er dann kommt und erfährt, ich habe noch kein Abendessen gehabt, hat er erstmal ein schlechtes Gewissen. Nach einer Stunde hab ich ihn dann davon überzeugt, dass Schokolade als Grundnahrungsmittel die Weltherrschaft erlangen muss. Außerdem kann ich mich wenigstens bei ihm auslassen, wie enttäuscht ich von dem verstrichenen Tag bin. Nichts passiert. Nichts ist anders. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Ich setze erstaunlich viele Punkte heute. Vielleicht gehört das zum Älterwerden, Punkte setzen, Enden setzen, hinsetzen und sich denken "Was hätte ich denn bitte gemacht, wenn ich zuhause gewesen wäre?" Ich hätte meine Eltern mit Ansprüchen in die Sklavenhölle Küche getrieben, und an alles andere will ich gar nicht denken. Es wäre eben fast alles besser gewesen, nicht nur anders. Weltverbesserer, geht weg mit nicht gut oder schlecht sondern anders, ich will gerade in schwarz und weiß denken, denn was anderes hilft mir auch nicht über diese heutige Tiefphase hinweg, außer mir zu denken, dass nicht jeder Tag so aussieht. Na ja, eigentlich schon. Aber das ist vielleicht gerade das Schlimme.